Telematikinfrastruktur 9 Minuten Lesezeit Veröffentlicht Juni 2026

Die elektronische Heilmittelverordnung (eVO).
Ablauf, Pflichten & Vorbereitung der Praxis für 2027

Ab dem 01.01.2027 wird das rosa Muster 13 Schritt für Schritt durch die eVO abgelöst. Was bedeutet das konkret für die Anmeldung am Empfang, für die §302-Abrechnung und für die Dokumentation in Physio-, Ergo-, Logopädie- und Podologie-Praxen? Dieser Leitfaden zeigt den vollständigen Workflow — von der Einlösung am Kartenterminal bis zur signierten Endabrechnung.

Kurz und knapp — eVO 2027

Ab 01.01.2027 Pflicht für Vertragsärzte. Drei Einlösewege: eGK am Terminal, App-Token (ePA-/eRezept-App), ausgedruckter Token. Praxis-Software ruft strukturierte Daten direkt aus dem TI-Fachdienst — kein Abtippen mehr. Heilmittel-Praxen müssen spätestens zum 01.10.2027 eVO-fähig sein.

01 / 05 Hintergrund

Was ist die eVO und warum kommt sie?

Die eVO (elektronische Heilmittelverordnung, technisch auch eHMV) ersetzt das bisherige rosa Papier-Muster 13. Sie wird vom ausstellenden Vertragsarzt mit dem elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) qualifiziert elektronisch signiert (QES) und in den TI-Fachdienst eingestellt. Patient:innen erhalten lediglich einen Token (per ePA-App, eGK-Speicherung oder ausgedrucktem Token-Code), mit dem die Verordnung in der Heilmittelpraxis abgerufen wird.

Rechtsgrundlage

Geregelt wird die eVO über das Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG), das Digital-Gesetz (DigiG) sowie über die Anforderungsspezifikationen der gematik (Fachanwendung „eVerordnung Heilmittel”). Sie ist Bestandteil der TI-2.0-Roadmap und integrierter Baustein der Heilmittelrichtlinien (HMR-G-BA).

Stichtag 01.01.2027

Ab diesem Datum sind Vertragsärzte verpflichtet, Heilmittelverordnungen elektronisch auszustellen. Eine parallele Papierausstellung bleibt in Übergangsfällen möglich, soll aber sukzessive reduziert werden. Heilmittel-Praxen müssen spätestens zum 01.10.2027 in der Lage sein, eVOs technisch anzunehmen (siehe TI-Anschlusspflicht).

02 / 05 Workflow Empfang

So lösen Patienten die eVO in Ihrer Praxis ein

Anders als beim eRezept für verschreibungspflichtige Arzneimittel (das bereits live ist) sieht der eVO-Ablauf in der Heilmittel-Praxis drei gleichberechtigte Einlösewege vor. Ihre Software muss alle drei sauber abbilden, da die Patientenakzeptanz je nach Altersgruppe stark variiert.

Einlöseweg Was passiert technisch? Typische Patientengruppe
eGK am Kartenterminal Patient steckt seine elektronische Gesundheitskarte ein. Die Praxissoftware liest den Token aus, ruft die eVO über den TI-Fachdienst ab und übernimmt sie strukturiert in die Akte. Stamm-Patienten, ältere Patienten ohne Smartphone
App-Token (ePA / eRezept-App) Patient zeigt einen QR-Code aus der App. Praxis scannt mit Handheld-Scanner oder Tablet-Kamera, eVO wird signiert abgerufen. Digital affine Patienten, jüngere Zielgruppen
Ausgedruckter Token (Stecken-Token) Arzt druckt einen Papierausdruck mit Token-QR-Code für Patienten ohne App und ohne mitgebrachte eGK. Praxis scannt diesen wie eine App-Variante. Hausbesuchs-Patienten, Übergangsfälle

Wichtig für den Empfang: Anders als beim Muster 13 darf das Personal die eVO nicht mehr manuell abtippen. Die strukturierten Daten (Diagnose, ICD-10, Heilmittelposition, Frequenz, Therapiebeginn) werden direkt aus dem TI-Fachdienst übernommen. Das spart pro Patientenaufnahme rund 90 Sekunden — ein erheblicher Hebel über das Quartal.

03 / 05 Verarbeitung

Verarbeitung, Therapiebericht & signierte Endabrechnung

Nach der Einlösung beginnt der eigentliche Praxis-Workflow. Hier zeigt sich, ob Ihre Software die eVO nur "anzeigt" oder sie wirklich durchgehend nutzt — von der Heilmittelrichtlinien-Prüfung bis zur §302-DTA-Datei.

HMR-Vorprüfung

Direkt nach der Annahme prüft die Software gegen die aktuellen Heilmittelrichtlinien des G-BA: Passt die Heilmittelposition zur Diagnosegruppe? Ist die Frequenz innerhalb des Verordnungs-Rahmens? Wurde die Eigenanteils-Befreiung korrekt erkannt? Fehler werden früh markiert, bevor sie zur Absetzung führen.

Therapiebericht digital

Der Therapiebericht (gemäß Anlage 4 HMR) wird künftig elektronisch an die ausstellende Arztpraxis zurückübermittelt — entweder über den KIM-Dienst oder einen dedizierten Therapiebericht-Fachdienst. Faxe, PDF-Anhänge per E-Mail und postalische Berichte entfallen damit.

QES bei der Abrechnung

Die digital signierte Endabrechnung nach §302 SGB V muss vom verantwortlichen Therapeuten oder der Praxisinhaberin mit dem eHBA qualifiziert elektronisch signiert werden. Das ersetzt die handschriftliche Unterschrift auf dem Papier-Rezept.

Direktabrechnung & Abrechnungszentrum

Praxen, die selbst abrechnen, können die signierte eVO direkt in den §302-DTA-Container packen. Wer ein Abrechnungszentrum nutzt, übergibt die signierte Datei verschlüsselt — keine Papierrezepte mehr im Versandumschlag.

04 / 05 Vorbereitung

Was Ihre Praxis bis Januar 2027 erledigen sollte

Auch wenn die Pflicht zur TI-Anbindung erst zum 01.10.2027 greift: Wer ab dem 01.01.2027 noch keine eVOs annehmen kann, riskiert Patientenverluste an besser vorbereitete Mitbewerber. Empfehlung: Anbindung im Q4 2026 oder spätestens Q1 2027 abschließen.

Phase 1: Bestellungen (Q3 2026)

eHBA über das eGBR-Portal beantragen (Bearbeitungszeit 4–8 Wochen), SMC-B beim DVO bestellen, eHealth-Kartenterminal anschaffen. Details siehe eHBA-Anleitung.

Phase 2: TI-Anschluss (Q4 2026)

Zertifizierten TI-Dienstleister auswählen (vgl. TIaaS vs. Konnektor), Anschluss testen, Mitarbeiter-Schulung. Förderpauschale ab Aktivierung beantragen.

Phase 3: Workflow-Test (Q1 2027)

Echtbetrieb mit Test-Patienten: Token einlösen, HMR-Prüfung, Therapiebericht, §302-Export. Personal trainieren: Was tun, wenn eGK fehlt? Was tun, wenn Patient keine App hat?

Phase 4: Optimierung (Q2 2027)

Kennzahlen messen: Wieviel Zeit spart die Anmeldung? Wie viele Absetzungen vermeidet die HMR-Vorprüfung? Anschließend Workflows für Hausbesuche und Serientermine an die eVO anpassen.

05 / 05 Praxura & eVO

Wie Praxura die eVO in den Praxisalltag einbettet

Eine moderne Praxissoftware muss die eVO nicht nur "anzeigen" können — sie muss sie in alle umliegenden Prozesse einweben: Terminbuchung, Hausbesuch-Logistik, Zuzahlungs-Inkasso, Therapiebericht-Rückmeldung. Genau dafür ist Praxura aufgebaut.

Token-Einlösung in Sekunden

Ob eGK am Terminal, App-QR-Code oder ausgedruckter Token: Die Praxura-Anmeldemaske erkennt automatisch den Einlöseweg und ruft die eVO strukturiert ab. Diagnose, ICD-10, Heilmittel und Frequenz landen direkt in der Akte — ohne manuelles Abtippen.

KI-Rezeptprüfung

Bereits heute (vor TI-Pflicht) prüft Praxura eingescannte Papierrezepte per Smartphone-Foto gegen die Heilmittelrichtlinien. Ab eVO-Echtbetrieb läuft dieselbe Prüfung strukturiert auf den Fachdienst-Daten — Fehler werden vor dem Therapiebeginn erkannt.

Verzahnt mit Fahrtenbuch & Mahnwesen

Hausbesuch-Verordnungen werden automatisch ins elektronische Fahrtenbuch übernommen. Zuzahlungs-Eigenanteile landen direkt im Mahnwesen. Sie haben einen einzigen Datenfluss statt drei getrennter Tools.

Direkter §302-DTA-Export

Die signierte eVO fließt automatisch in den §302-Container — wahlweise zur Selbstabrechnung (kommissionsfrei) oder zur Übergabe an Ihr Abrechnungszentrum. Eine einzige Software statt Insel-Lösungen.

"Die eVO ist nicht das Ziel — sie ist der Auslöser, alle Folgeprozesse von Therapiebericht bis Abrechnung endlich sauber digital zu denken."

Praxura Redaktion

eVO-ready ab Tag 1

Praxura bereitet Ihre Praxis auf den eVO-Echtbetrieb vor.

Wir zeigen Ihnen in einer kostenlosen Demo, wie die Token-Einlösung, HMR-Prüfung und §302-Abrechnung in der Praxura-Oberfläche zusammenspielen — und wie Sie die TI-Förderpauschale 2026/2027 voll mitnehmen.

Häufige Fragen zur eVO

Was Praxisinhaber zur elektronischen Heilmittelverordnung wissen sollten.

Die eVO ist die elektronische Heilmittelverordnung. Sie ersetzt das rosa Papier-Muster 13 und wird ab dem 01.01.2027 verbindlich von Vertragsärzten ausgestellt. Heilmittel-Praxen müssen spätestens zum 01.10.2027 in der Lage sein, eVOs digital anzunehmen und über §302 abzurechnen.
Drei Wege: per eGK am Kartenterminal, per App-Token (ePA- oder eRezept-App) oder per ausgedrucktem Token. Die Praxissoftware ruft die strukturierten Verordnungsdaten verschlüsselt aus dem TI-Fachdienst ab — manuelles Abtippen entfällt.
Die Verordnung selbst signiert der Arzt. Auf Therapeutenseite ist eine QES je Annahme nicht zwingend — wohl aber für den finalen §302-Abrechnungsdatensatz und den elektronischen Therapiebericht. Jede Praxis, die abrechnet, benötigt daher mindestens einen aktiven eHBA.
Fehlt z.B. der ICD-10-Code oder passt die Heilmittelposition nicht zur Diagnosegruppe, wird die Korrektur strukturiert an die Arztpraxis zurückgespielt — per KIM-Nachricht oder Korrektur-Workflow im TI-Fachdienst. Praxura erkennt typische Absetzungsgründe bereits bei der Annahme.
Praxura kombiniert TI-Anbindung über einen zertifizierten Dienstleister, KI-gestützte Rezeptprüfung, automatischen §302-DTA-Export sowie integriertes Fahrtenbuch und Mahnwesen. Sie haben einen einzigen Workflow — von der Token-Einlösung am Empfang bis zur signierten Quartalsabrechnung.