Telematikinfrastruktur 7 Minuten Lesezeit Veröffentlicht Juni 2026

KIM in der Heilmittelpraxis.
Sichere Kommunikation mit Ärzten, Apotheken und Kassen — ohne Fax

Faxe gehen verloren, E-Mails sind nicht DSGVO-konform, Briefe brauchen drei Tage. Der KIM-Dienst (Kommunikation im Medizinwesen) ist die offizielle TI-Antwort auf dieses Dilemma: ein Ende-zu-Ende-verschlüsseltes Postfach für rechtssichere Heilberufs-Kommunikation. Dieser Leitfaden erklärt, was Heilmittel-Praxen ab 2027 brauchen — und warum sich KIM schon heute lohnt.

Kurz und knapp — KIM-Dienst

Was: Ende-zu-Ende-verschlüsselter E-Mail-Dienst der TI. Wofür: Therapieberichte, Befunde, Verordnungs-Rückfragen — DSGVO-konform statt Fax. Anbieter: D-Trust, CGM, Akquinet, T-Systems. Kosten: 5–10 €/Monat, oft im TIaaS-Paket inkludiert und über GKV-Pauschale refinanziert. Adresse: z. B. praxis@anbieter.kim.telematik.

01 / 05 Grundlagen

Was ist der KIM-Dienst — und was unterscheidet ihn von normaler E-Mail?

KIM ist technisch ein E-Mail-Dienst, der ausschließlich innerhalb der Telematikinfrastruktur läuft. Jede Nachricht wird Ende-zu-Ende verschlüsselt (S/MIME mit eHBA-/SMC-B-Zertifikaten), die Adressen sind im zentralen Verzeichnisdienst der gematik geführt — Fremde können keine KIM-Mail an Sie senden, weil sie schlicht keinen Zugang zum Postfach haben.

Ende-zu-Ende-verschlüsselt

Nachrichten verlassen Ihr Postfach nur verschlüsselt. Selbst der KIM-Anbieter kann den Inhalt nicht einsehen. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber regulärer Geschäfts-E-Mail, die nur auf der Transport-Strecke (TLS) geschützt ist.

Verbindlich & rechtssicher

KIM-Nachrichten gelten als zugestellt, sobald sie im Postfach des Empfängers eingegangen sind (vergleichbar mit dem De-Mail-Mechanismus). Empfangsbestätigungen sind automatisch verfügbar — eine erhebliche Erleichterung in Streitfällen.

Identität geprüft

Jede KIM-Adresse ist mit einer SMC-B-Karte verknüpft. Es gibt also kein anonymes Postfach — Sie wissen immer, welche Praxis bzw. welcher Arzt Ihnen schreibt. Das eliminiert klassische Phishing-Vektoren komplett.

Anhänge bis 25 MB

Befunde, MRT-Auszüge, Therapieberichte oder fotografierte Verordnungen können als Anhang übertragen werden — bis zur durch die gematik festgelegten Größengrenze. Das ist mehr als die meisten Krankenhaus-Faxgeräte verarbeiten können.

02 / 05 Anwendungsfälle

Wofür brauchen Heilmittel-Praxen den KIM-Dienst konkret?

Ärztliche Praxen, Krankenhäuser, Apotheken und Pflegeeinrichtungen kommunizieren bereits per KIM. Heilmittel-Praxen schließen sich mit der TI-Pflicht 2027 an. Die folgenden vier Use-Cases entstehen sofort und sparen typischerweise mehrere Stunden Verwaltung pro Woche.

Use-Case Bisheriger Weg Mit KIM
Therapiebericht an Arzt Brief oder Fax, Empfangsnachweis offen Signierte KIM-Nachricht, Zustellung dokumentiert
Rückfrage zu unklarer Verordnung Telefonkette, Voicemail, Notizzettel KIM mit Verordnungsdaten im Anhang
Befundanforderung Schreiben + datenschutzrechtliche Risiken bei E-Mail KIM, verschlüsselt & nachvollziehbar
Korrespondenz mit Krankenkasse Brief / Fax, Wartezeiten KIM (Kassen sukzessive angeschlossen)

Besonders wertvoll: Mit der eVO entfällt zwar das Papierrezept, aber der dazugehörige Therapiebericht bleibt Pflicht. KIM ist der von der gematik vorgesehene Übertragungsweg dafür — wer keinen KIM-Anschluss hat, muss weiterhin den Papierweg gehen und verliert die Effizienzgewinne der eVO.

03 / 05 Wirtschaftlichkeit

Anbieter und Kosten — was zahlt die Praxis wirklich?

KIM-Postfächer werden ausschließlich von zugelassenen KIM-Fachdienst-Anbietern bereitgestellt. Eine Eigeneinrichtung ist technisch nicht möglich, da die Verzeichnis-Aufnahme nur über zertifizierte Provider läuft.

Etablierte Anbieter

Zu den großen Anbietern zählen Bundesdruckerei (D-Trust), CompuGroup Medical (CGM KIM), arvato systems, Akquinet, T-Systems und TI-Trust. Die Auswahl hängt oft davon ab, mit welchem TI-Gateway / TIaaS-Anbieter Ihre Praxis arbeitet.

Kosten 2026

Einzelpostfach typischerweise 5–10 €/Monat. Bei Kombi-Paketen (TI-Gateway + KIM + Mehrkartenmanagement) sind die KIM-Kosten oft inkludiert — in Summe profitiert die Praxis daher stärker, wenn alles aus einer Hand kommt.

Refinanzierung

Die monatlichen KIM-Kosten sind Bestandteil der TI-Förderpauschale gemäß GKV-Fördervereinbarung. Praktisch bedeutet das: Netto entstehen Ihrer Praxis kaum Kosten, sofern die KIM-Adresse aktiv ist und der Pauschalen-Nachweis bei der Zulassungsstelle hinterlegt wurde (vgl. TI-Pauschale 2026).

Adressformat

KIM-Adressen sehen aus wie reguläre E-Mail-Adressen, enden aber typischerweise auf @anbieter.kim.telematik. Beispiel: praxis-mueller@cgm.kim.telematik. Sie werden im zentralen Verzeichnisdienst gepflegt und sind über jede TI-konforme Software auffindbar.

04 / 05 Setup

Einrichtung in 4 Schritten

Die Einrichtung eines KIM-Postfachs ist deutlich schlanker als die initiale TI-Anbindung. Voraussetzung: aktive SMC-B-Karte und ein TI-Gateway (lokal oder TIaaS).

Schritt 1: KIM-Anbieter wählen

Idealerweise im Paket mit Ihrem TI-Gateway. Beim TIaaS-Setup wird KIM oft mitbestellt — separate Verträge entfallen.

Schritt 2: Postfach anlegen

Der Anbieter legt die KIM-Adresse an und verknüpft sie mit Ihrer SMC-B. Sie wählen den lokalen Teil (z.B. praxis-mueller) — die Domain ist anbieterspezifisch.

Schritt 3: Praxissoftware verbinden

Hinterlegen Sie KIM-Adresse und Zugangsdaten in der Praxissoftware. In Praxura erfolgt das einmalig in den TI-Einstellungen — danach taucht KIM überall dort auf, wo es relevant ist (Therapiebericht, Rückfrage).

Schritt 4: Im Verzeichnis prüfen

Prüfen Sie nach Aktivierung, ob Ihre KIM-Adresse im Verzeichnisdienst der gematik auffindbar ist (Suche nach Praxisname oder SMC-B-Telematik-ID). Erst dann können andere Teilnehmer Ihnen schreiben.

05 / 05 Praxura

So nutzen Sie KIM in Praxura — ohne Medienbruch

Klassisch arbeiten viele Praxen mit einem separaten KIM-Client (eine Art Spezial-E-Mail-Programm). Das funktioniert, ist aber ineffizient: Sie müssen Befunde herunterladen, in die Akte hochladen, signieren, zurücksenden. Praxura integriert KIM direkt in die Patientenakte und in den Therapiebericht-Workflow.

Therapiebericht aus der Akte

Im Patientendossier klicken Sie "Therapiebericht erstellen", füllen die Anlage-4-Vorlage aus, signieren mit eHBA und versenden direkt an die KIM-Adresse der überweisenden Arztpraxis — die Empfangsbestätigung landet wieder in der Akte.

Eingehende KIM in der Akte

Sendet eine Arztpraxis Ihnen einen Befund oder eine Verordnungs-Rückfrage, ordnet Praxura die Nachricht automatisch dem passenden Patienten zu (über Telematik-ID und Patientendaten). Sie sehen die Nachricht direkt in der Akte — kein separates Postfach-Tool.

Versand-Audit-Trail

Jede ausgehende KIM-Nachricht wird mit Zeitstempel, Empfänger und signierender Person revisionssicher protokolliert. Bei Kassen-Plausibilitätsprüfungen können Sie nachweisen, dass und wann ein Therapiebericht verschickt wurde.

Verknüpft mit Praxura-Funktionen

KIM-Aktivitäten erscheinen im Patientendossier neben Terminhistorie, Fahrtenbuch-Einträgen bei Hausbesuchen und offenen Posten aus dem Mahnwesen. Eine Patientenakte, alle Informationen.

"Wer ab 2027 noch Therapieberichte faxt, verschenkt nicht nur Zeit — er ist auch datenschutzrechtlich angreifbar. KIM ist der TI-konforme Standardweg."

Praxura Redaktion

KIM integriert statt KIM nebenher

Praxura macht KIM zum natürlichen Teil Ihrer Akte.

Sehen Sie in einer kostenlosen Demo, wie Therapieberichte aus der Akte signiert und versendet werden, wie eingehende Nachrichten automatisch dem Patienten zugeordnet werden und wie das Audit-Log Sie bei Plausibilitätsprüfungen schützt.

Häufige Fragen zu KIM

Was Heilmittel-Praxen zum Kommunikationsdienst der TI wissen sollten.

KIM ("Kommunikation im Medizinwesen") ist der Ende-zu-Ende-verschlüsselte E-Mail-Dienst innerhalb der TI. Damit tauschen Heilberufler rechtssicher Dokumente, Therapieberichte und Befunde aus — als TI-konforme Alternative zu Fax und Standard-E-Mail.
Spätestens ab TI-Pflicht 2027 für den elektronischen Therapiebericht und für eVO-Korrespondenz mit Arztpraxen. Wer keinen KIM-Anschluss hat, kann diese Vorteile der eVO nicht nutzen und muss weiter den Papierweg gehen.
Zugelassene KIM-Anbieter sind D-Trust, CompuGroup Medical, arvato systems, Akquinet, T-Systems und TI-Trust. In den meisten TIaaS-Paketen ist KIM bereits enthalten — der gesonderte Anbieterwechsel entfällt.
Typischerweise 5–10 €/Monat pro Postfach. Über die TI-Förderpauschale der GKV wird dieser Betrag in der Regel mit refinanziert — netto bleibt für die Praxis kaum Aufwand.
KIM ist direkt in die Patientenakte integriert: Therapiebericht erstellen, mit eHBA signieren, an KIM-Adresse senden — ohne separates KIM-Programm. Eingehende Nachrichten werden automatisch dem passenden Patienten zugeordnet.